Vom ehemaligen Pfarrhaus zur sanft renovierten Ferienwohnung

Die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» wurde 2005 vom Schweizer Heimatschutz gegründet. Sie übernimmt historisch wertvolle Bauwerke, renoviert diese und vermietet sie als Ferienwohnungen. Momentan stehen 33 Baudenkmäler im Angebot. Ein weiteres Objekt kommt bald hinzu.

Baukultur erlebbar zu machen, heisst die Maxime der Stiftung für Ferien im Baudenkmal. Ab 2021 sollen beispielsweise die Renovationsarbeiten eines ehemaligen Pfarrhauses im Wallis beginnen, das zu einer Ferienwohnung umgebaut wird. Das ehemalige Pfarrhaus – «Kaplanei» genannt – steht im Walliser 400-Seelen-Dorf Ernen. Es wurde 1776 gebaut und bis 1952 als Pfarrhaus genutzt. Seither steht das Anwesen grösstenteils leer und verfällt zusehends. Das wird sich nun ändern, da die Stiftung Ferien im Baudenkmal das Gebäude Ende 2018 im Baurecht übernehmen konnte.

Durch den langen Leerstand habe die «Kaplanei» gelitten, sagt Nancy Wolf, Verantwortlich für Marketing und Kommunikation bei der Stiftung. Obwohl die Eigentümerschaft, in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, die Aussenfassade samt Fenster und dem Dach restauriert hat, sind weder moderne Kücheneinrichtungen noch zeitgemässe Sanitär- und Heizungsinstallationen vorhanden.

Gebäude mit eigener Hauskapelle
Vorgesehen ist, sich bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten – dazu gehört hauptsächlich die Instandsetzung der Innenräume – auf den Erhalt der bestehenden Substanz zu konzentrieren. Einzig die Einbauten in Küche und Bad sollen in einer zeitgenössischen Formensprache zurückhaltend umgesetzt werden. Das wohlproportionierte Vorschutz-Haus besteche besonders durch den Wechsel von Holz und Stein an seinen Traufseiten und durch die mit rotem Tuffstein gerahmten Türen und Fenster. Sie würden Reichtum und Würde ausstrahlen, betonen die Projektverantwortlichen. Charakteristisch für diesen Bautyp wurde der hintere Hausteil mit Küche aus Stein erstellt. Im Innern befindet sich zudem eine eigene Hauskapelle. Beim Betreten des Empfangszimmers, der Pfründstube, fällt das sauber bearbeitete, stark geschweifte Täfer mit den tief gebuchten Fasen auf, von denen es heute nicht mehr viele gibt, ist im Projektbeschrieb zu lesen. Der würfelförmige Ofen zeigt den Heiligen Georg auf dem Ross, den Patron der Kirche und der Pfarrei, sowie die Heilige Katharina mit dem Rad.

Haus mit herrschaftlichem Charakter
Im ersten und im zweiten Stock findet man religiöse Inschriften auf Lateinisch, mit denen man Bewohnern wohl praktische Lebensanweisungen geben wollte, vermuten die Denkmalschützer. Ein Raum im oberen Stock ist mit einer gewölbten Gipsdecke versehen. In der Mitte trohnen ein Gemälde. Gemalte, tulpenförmige Blumen an den Konsolen und die rundbogenartigen Portale zum Keller verleihen dem Haus seinen herrschaftlichen Charakter. Künftige Ferienwohnungsbesitzer können diese Schätze bald bestaunen. ■

Termine

2018:    Dezember – Überschreibung des Baurechts
2019:    Sommer – Sofortmassnahmen zur Erhaltung
    des Baudenkmals sowie Bestandsaufnahme
    und -dokumentation
2020:    Studienauftrag, Planung und Eingabe
2021:    Beginn der Renovation und der Vermietung

Finanzierung
Für die Renovation der «Kaplanei» rechnet man mit Kosten von rund 600’000 Franken. Die Finanzierung des Betriebs der Ferienwohnung wird über die Mieteinnahmen erfolgen, welche beispielsweise die Kosten für Unterhalt, Reparaturen, Administration decken. Dank dem Modell Ferien im Baudenkmal sollen die historischen Häuser langfristig erhalten bleiben. Für die Restaurierung der Baudenkmäler ist die Stiftung auf Spenden und Beiträge angewiesen.

www.ferienimbaudenkmal.ch