Vom denkmalgeschützten Schulhaus zum Privathotel

Bis 2012 wurde ein denkmalgeschütztes Bauwerk im deutschen Schwelm als Schulhaus genutzt. Aus dem öffentlichen Gebäude, Baujahr 1915, wurde 2018 ein Privathotel mit 35 stilvoll eingerichteten Gästezimmern. Die ehemalige, angebaute Turnhalle aus den 80er-Jahren wurde zurückgebaut und beherbergt heute das Hotelrestaurant.

Die Vision: Aus einem ehemaligen Schulhaus soll ein Hotel realisiert werden, bei dem der ursprüngliche Nutzungscharakter ebenso wie die Originalsubstanz erhalten bleiben soll. Der Berliner Hotelier Kurt Hermandung und sein Partner Marc Konopatzki haben ihren Traum eines eigenen kleinen Privathotels verwirklicht. Dieses liegt nahe bei Düsseldorf, Köln und den Ruhrmetropolen. «Wir wollten ein kleines, feines Haus mit Charakter, aus dem wir etwas ganz Besonderes machen», sagen die Besitzer. «Nach langem Suchen sind wir auf diese ehemalige Grundschule gestossen – und auf einen Investor, der sich vorstellen konnte, mit uns daraus ein Hotel und aus der ehemaligen Turnhalle ein Restaurant zu machen.» Gestalterisch und konzeptionell griff man beim ehemaligen Schulhaus aus dem Jahre 1915 und die 1980 angebaute Turnhalle auf die ursprüngliche Gebäudenutzung auf.

Aus Klassenzimmern wurden elegante Hotelzimmer
Vom Entwurf über die Ausführungsplanung bis hin zur Bauleitung realisierten das ortsansässige Architekturbüro Wilde und Wehnau dieses anspruchsvolle Umnutzungskonzept. Ihre Leistungen umfassten ebenso das Konzept des Denkmalschutzkonzeptes, die Planung der Inneneinrichtung sowie die Lichtplanung. So wurden die Aussenfassade mit ihren typischen Schieferschindeln, dem repräsentativen Erker und den grünen Regenrinnen unter den Augen des Denkmalschutzes restauriert und erhalten. Aus den ehemaligen Klassenzimmern der Grundschule wurden elegant ausgestattete Einzel- und Doppelzimmer mit Eichenparkett und grosszügigen Bädern. Im Dachgeschoss wurde eine Junior-Suite eingebaut. Die früher in den Zimmern üblichen Minibars gehören der Vergangenheit an. Die Alternative ist viel origineller und ökologisch sinnvoller: Ein zentraler «Schulhauskiosk» im Erdgeschoss führt ein Angebot an verschiedenen Getränken.

Eine Besonderheit im Haus sei der wiederhergestellte, sich über zwei Etagen erstreckende historische Brunnen mit frischem Trinkwasser, betonen die Hotelbesitzer. An die frühere Schulzeit erinnern alte Zeugnisse und Fotos. Sie finden sich in dem ganzen Gebäude wieder. Turnkästen dienen in den Zimmern als Kofferablage. Auch die alte Sprossenkletterwand der Turnhalle erhielt eine neue Funktion. Sie dient im Restaurant als Abtrennung zur Treppe.

Ehemalige Turnhalle als Restaurant
Die eher schmucklose Turnhalle wurde im Zuge der Umbauarbeiten vollständig zurückgebaut. Entstanden ist ein modernes Gebäude, welches nun das Restaurant «Die Turnhalle», die Lounge sowie die Bar beherbergen. Im historischen Schulgebäude erschliesst ein Lift barrierefrei alle Etagen und stellt die Verbindung der Hotelzimmer mit dem Restaurant her. Letzteres ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine neu eingezogene Decke unterteilt die ehemalige Turnhalle in zwei Stockwerke. Dadurch konnte die Fläche auf 800 Quadratmeter verdoppelt werden. So konnte Platz für vier Konferenzräume und eine kleine Bar zur Verpflegung des Tagungsbereichs geschaffen werden. Der Erweiterungsbau mit seinen grossen Glasflächen steht im gelungenen Kontrast zum alten und liebevoll restaurierten Schulhaus und ergänzt diesen auf ideale Weise. ■

Philipp Dreyer /  Quellen: Edition detail /  Schulhaushotel/Bilder: zVg